Ein Musterbeispiel für die Reaktivierung der Begatalbahn

Moderne und saubere Bahnhöfe, zuverlässig fahrende und aufeinander abgestimmte Busse und Bahnen, genügend Parkplätze, Abstellmöglichkeiten für Fahrräder und vieles mehr: Was die Bentheimer Eisenbahn AG mit der Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Bad Bentheim und Nordhorn auf die Beine gestellt hat, ist enorm. Ein absolutes Musterbeispiel, wie so ein Verkehrsprojekt gelingen kann.

Auf meine Initiative hin waren Lokalpolitiker aus Dörentrup, Barntrup und Lemgo, Sven Oehlmann, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Extertal (VBE), Vertreter der Landeseisenbahn Lippe und von Verkehrsverbünden als „Allianz Begatalbahn“ zur Bentheimer Eisenbahn AG gereist, um sich dort über die Möglichkeiten, Herausforderungen und Vorgehensweisen bei der Reaktivierung einer stillgelegten Bahnstrecke zu informieren. Das, was die Bentheimer Eisenbahn bereits geschafft hat, haben wir mit der Reaktivierung der Begatalbahn noch vor uns.

Modern, sauber und fahrgastfreundlich

Ralf Uekermann, Projektleiter und Trassenmanager der Bentheimer Eisenbahn, führte den Tross aus dem Lipperland durch den Tag und gab Einblicke in das Reaktivierungsprojekt. Während der Besichtigung der umgebauten Bahnhöfe und Haltepunkte erklärte er, worauf der Fokus beim Bau der Bahnhöfe und auch später während des Betriebes liegen müsse.

Alle umgebauten Haltepunkte und Bahnhöfe sind modern und freundlich gestaltet. Die Sauberkeit fällt sofort auf. Auch die neu gebauten Bushaltestellen und Parkplätze passen in das Gesamtkonzept. An den größeren Bahnhöfen befinden sich Cafés und Reisezentren. Es wirkt alles einfach sehr fahrgastfreundlich. Da fährt man richtig gerne Bahn.

Am zentralen Betriebshof der Bentheimer Eisenbahn erhielten die Teilnehmer aus Lippe ebenfalls Einblicke in die neue und moderne Eisenbahnwerkstatt, die eigens für den Schienenpersonennahverkehr erweitert und ausgebaut wurde. Außerdem gab Uekermann Informationen zum Betriebskonzept und zur Verknüpfung von Bus und Bahn. Die Lipper interessierte natürlich insbesondere der Prozess auf dem Weg zur Reaktivierung.

Schon nach einem halben Jahr 1.700 Fahrgäste täglich

„Unser großer Vorteil war, dass hier in der Grafschaft alle an einem Strang gezogen haben. Die Kommunen, die Politik und die Menschen standen hinter dem Projekt und hinter der Bentheimer Eisenbahn“, erläuterte Uekermann. Nachdem feststand, dass die Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Bad Bentheim und Nordhorn – die sogar noch etwas weiter gen Norden führt – vom Land Niedersachsen gefördert werden würde, wurde die Kampagnenmarke „Regiopa“ gegründet. Begleitet von einer Öffentlichkeits- und Marketingkampagne begannen die Planungen und Umbauarbeiten am Gleisnetz, an Haltepunkten und Bahnhöfen. Kritik aus der Bevölkerung habe es nur vereinzelt gegeben. „Und wenn, dann konnten wir stets Lösungen anbieten“, erklärt Uekermann. 2019 war die Bentheimer Eisenbahn an den Start gegangen. „1.300 Fahrgäste täglich waren uns nach dem ersten halben Jahr prognostiziert worden. Tatsächlich waren es 1.700“, freut sich Uekermann. „Inzwischen liegen wir bei durchschnittlich 2.000 Fahrgästen am Tag.“ Viele Schüler und Jugendliche nutzten die Bentheimer Eisenbahn als schnelles Verkehrsmittel. Und auch der größte Arbeitgeber der Region habe seine Arbeitszeiten auf den Fahrplan der Bahn abgestimmt, damit viele Beschäftigte die Bahn nutzen können. Zahlreiche Pendler kämen mit dem Fahrrad oder dem Bus zu den Bahnhöfen. „Dass sich der Bahnbetrieb negativ auf den Busverkehr ausgewirkt hat, kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil. Die Busse sind sogar voller als vorher“, sagt Uekermann. Der Bahnbetrieb habe sich sogar positiv auf die Grundstücksverkäufe in Wohn- und Gewerbegebieten ausgewirkt. Und damit nicht genug: Demnächst wird die Bentheimer Eisenbahn sogar den Betrieb in die Niederlande aufnehmen.

Viele Vorteile durch die Begatalbahn

Was in der Grafschaft Bentheim auf die Beine gestellt wurde ist wirklich beachtlich. Genau das können wir auch mit der Begatalbahn erreichen. Durch sie würden die Menschen nicht nur eine schnelle Bahnverbindung von Barntrup über Dörentrup nach Lemgo und Bielefeld bekommen. Wie man bei der Bentheimer Eisenbahn sieht, gibt es viele weitere positive Effekte.

„Als Verkehrsbetriebe Extertal, die die Eigentümerin der Bahnstrecke zwischen Lemgo und Barntrup ist, haben wir natürlich ein großes Interesse an einer Reaktivierung der Begatalbahn und sind davon überzeugt, dass diese viele Vorteile für die Region hätte“, sagt VBE-Geschäftsführer Sven Oehlmann. „Der Besuch bei der Bentheimer Eisenbahn als Beispiel für eine gelungene Reaktivierung war sehr aufschlussreich.“

Eine breiter Schulterschluss zwischen Kreis, Kommunen, Politik, Wirtschaft, Verbänden und der Bevölkerung sei enorm wichtig, um solch ein Projekt auch realisieren zu können. Deshalb hatte ich bereits im vergangenen Jahr zu einem Kongress mit zahlreichen Beteiligten auf die Burg Sternberg eingeladen, woraus eine „Allianz Begatalbahn“ hervorgegangen war. Derzeit laufe die Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung der Begatalbahn. Ergebnisse sollen im kommenden Jahr vorliegen. Davon hängt ab, ob die Reaktivierung vom Land gefördert und mitfinanziert wird.

Derzeit stehen die Zeichen sehr gut, dass die Machbarkeitsstudie positiv ausfällt. Bis zum Ergebnis werden wir das Thema weiter begleiten.